Fliegerclub Rostock e.V. - schon über 50 Jahre

Nachkriegszeit

Es ist über ein halbes Jahrhundert her, über Deutschland lastete nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, das Verbot der Siegermächte Luftfahrt zu betreiben. Da begannen ehemalige Piloten und solche, die es werden wollten, neue Pläne zu schmieden. In der berechtigten Hoffnung, dass ein Verbot der Luftfahrt nicht von ewiger Dauer sein würde, bildeten sie den Kern unseres heutigen Fliegerclubs Rostock e.V., der vor 50 Jahren seine ersten Lebenszeichen erkennen ließ. Da eigenes Fliegen zunächst nicht möglich war, wurden Modellflugzeuge angefertigt und geflogen. Bereits seit 1949 unterstützte die "Freie Deutsche Jugend" (FDJ) den Modellbau. Die Rostocker Flieger waren erwartungsvoll mit dabei.

DDR Zeit

Zu den Begeisterten der ersten Stunde gehört Heinz Krieger. der spätere Präsident des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern im Deutschen Aero Club e.V. Mit seinem Segelflugmodell "Wolkenbeißer" siegte er als Teilnehmer der ersten Landesmeisterschaften des Modellfluges im Jahre 1952.
UrkundeKurz danach konnte auch der Segelflug seine Auferstehung feiern. Die Rostocker Flieger waren begeistert. Es sollte ein ausnahmslos friedlicher Sport sein.
1950 wurde mit der Interessengemeinschaft Segelflug die Keimzelle des Fliegerclubs Rostock gelegt.
Zunächst musste ein Flugzeug her! Ernst Burmeister, einer der ersten Mitglieder unseres Fliegerclubs, wusste das sein Vater auf einem Dachboden in Graal-Müritz drei Segelflugzeuge aus der Nazizeit versteckt hatte! Zwei Schulgleiter "SG-38" und ein einsitziges Übungsflugzeug "Baby II b". Sie trugen noch das Hakenkreuz auf dem Leitwerk. Aber das konnte man ändern.

Ernst Burmeister offenbarte sein Geheimnis von den versteckten Flugzeugen der zuständigen FDJ-Leitung. "Nun kann es losgehen", sagte man ihm, und "Du bist dabei." Zuvor jedoch wurden alle künftigen Flieger der FDJ ideologisch überprüft. Und da Ernst Burmeister nicht genügend von Marx, Engels und Liebknecht wusste, war er eben nicht dabei. Bei dem ersten Segelflugstart am 24.4.1950 in Pütnitz durfte er nur zusehen.
Auch die Interessengemeinschaft Segelflug nahmen an den theoretisch und technischen Vorbereitungen teil. Die neuen Aktivitäten in Pütnitz spornten die Rostocker an. Unter der Leitung von Horst Schrenk wurde mit dem Bau eines Schulgleiters nach vorliegenden Plänen zu begonnen. Trotz größter Anstrengungen, wurde der Schulgleiter wegen unsachgemäßer Lagerung des zum Bau verwendeten Holzes, nicht zugelassen.

SG-38Mit der Gründung der "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST), erhielt der Segelfliegerclub staatliche Förderung. Die Serienproduktionen von Segelflugzeugen begann. Zunächst wurden die bewährten einsitzigen Schulgleiter und Übungsflugzeuge gebaut, die bei den ersten Nachkriegsstarts in Pütnitz flogen.
1953 erhielten die Rostocker Flieger ein Segelflugzeug "Baby II s, mehrere Schulgleiter, eine Schleppwinde und einen LKW.
Die Ausübung des Flugsportes war zwar nur in der GST möglich, aber dafür kosten die Ausbildung und das Fliegen lediglich einen Monatsbeitrag von einigen Pfennigen.
Die ehemaligen Flugzeugführer Walter Mecklenburg, Heinz Gennrich und Hannes Redmer wurden zu Fluglehrern ausgebildet. Ihr Platz war damals am Boden, der Schüler flog in der Ausbildung einsitzig allein. Die Fluglehrer wiesen den Flugschüler in seine Aufgaben methodisch ein und ließen ihn starten. Nach der Landung wurde die Flüge beurteilt, aber während des Fluges konnte der Fluglehrer nur hoffen, dass sein Schüler in der Luft alles richtig macht.

Mit heute kaum vorstellbarem Einsatz wurde in ungezählten Baustunden das Gelände des heutigen Flugplatzes Rostock Purkshof geebnet und für den Flugbetrieb vorbereitet.
Dabei entdeckte man eine Betondecke auf dem Hof, die erfreulicherweise für Errichtung einer Flugzeughalle ausreichend war. Eine alte Scheune diente zunächst der Unterbringung der Flugzeuge. Mit finanzieller Unterstützung der GST entstand im Laufe der folgenden Jahre ein für damalige Verhältnisse gut ausgerüsteter Flugplatz mit zwei Flugzeughallen, Werkstätten, Unterkünften, Büro- und Unterrichtsräumen und einer Flugleitung. Der Flugsport blühte auf. Für viele alte und junge Flieger schien ein Traum in Erfüllung gegangen zu sein. Neue Flugzeugtypen wie die "Meise“ und die doppelsitzigen Schulflugzeuge "Pionyr“ und "Lehrmeister“ standen in den nächsten Jahren zur Verfügung.
Hannes Redmer, Klaus Gennrich und Gerhard Zinke wurden zu Fluglehrern für Doppelsitzer ausgebildet. Damit begann eine neue Qualität der Ausbildung. Als Techniker am "Bezirksflugzeugsstützpunkt“ Purkshof wurde Karl Wendel eingestellt, ein bewährter Flugzeugkonstrukteur, der bereits 1927 mit dem Bau des Segelflugzeuges "Zögling“ einen Grundstein für den Segelflug in MV legte.
Der Flugzeugpark wurde um Leistungsflugzeuge vom Typ "Libelle“ erweitert. Es folgten anerkennenswerte Leistungen: Walter Mecklenburg segelte sechs Stunden im Hangaufwind der Steilküste vor Warnemünde, Gennrich, Redmer, Zinke und Grand schafften 1957 die Bedingungen für die Silber-C. Hierfür muss der Pilot unter Ausnutzung von Aufwinden einen Dauerflug von fünf Stunden absolvieren. Weiterhin ist ein Höhengewinn von 1000 Metern sowie ein Streckenflug von 50 km gefordert.
1958 begann die Motorflugausbildung in Purkshof mit zwei "Jak-18“ Mit einem weiteren Motorflugzeug "Trener“ konnten nun auch Segelflugzeuge auf größere Höhen geschleppt werden, die bei Wettbewerben oder beim Kunstflug notwendig sind. Die GST importierte die Motorflugzeuge aus der damaligen Sowjetunion oder Tschechoslowakei.
FlugzeugparkEs schien alles eine erfreuliche Entwicklung zu nehmen. Doch bald kam es von staatlicher Seite schrittweise zu Anforderungen an die Ausbildung die dem friedlichen Segelflug einen paramilitärischen Charakter gab. Vorsichtig wurde das Schießen mit dem Kleinkalibergewehr eingeführt. Handgranatenwurf, Marschübungen, Schwimmen in der Fliegerausrüstung und der militärische Mehrkampf folgten.
Der Tonfall bei der Begründung dieses Teiles der Ausbildung wurde immer deutlicher. Es ging um die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Verteidigung der Heimat. Es durften nur noch diejenigen fliegen, die keine Kontakte zu Bürgen in Westdeutschland hatten.

Die Flugplätze gelangten immer deutlicher in den Bereich militärischer Sicherheit und durften selbst von Familienangehörigen der Flugsportler nicht mehr betreten werden.
Einige der älteren Flieger versuchten mit den geringen verbliebenen Möglichkeiten den sportlichen Gedanken des Fliegens zu erhalten.
Viele gingen, weil sie nicht die Kontakte mit ihren im Westen von Deutschland lebenden Verwandten einstellen wollten.

Im Zuge der bedingungslosen Unterordnung des Segelfluges unter die "Vormilitärische Ausbildung" wurde der Flugplatz Purkshof 1963 von den Marinefliegern der NVA übernommen. Da militärische Interessen vorrangig behandelt wurden, musste die GST den Flugplatz an die NVA übergeben. Die vorhandenen Flug- und Bodengeräte übernahmen andere GST-Gruppen. Die Rostocker Flugsportler wurden ohne jede Entschädigung für die von Ihnen geleistete Aufbauarbeit vom Platz verwiesen und mussten zunächst in Güstrow und später in Stralsund fliegen.

Wendejahre (1989/90)

Mit der Wende 1989 endete die Bevormundung der Flugsportler. Der Sport konnte wieder um seiner selbst willen betrieben werden. In zähem Ringen mit Bundesvermögensamt und Treuhand gelang es, ehemaliges Eigentum der GST übereignet zu bekommen.
Da die GST aufgelöst worden war, gründeten die Rostocker Flugsportler am 10.02.1990 den Fliegerclub Rostock e.V. neu. Sie wählten Gerhard Borowitz zu ihrem Vorsitzenden. Im gleichen Jahr gelang es, mit den Marinefliegern der damaligen NVA, die Mitbenutzung des Flugplatzes Purkshof zu vereinbaren.

Nach der Wiedervereinigung wurde der Flugplatz durch die Bundeswehr übernommen und anschließend unserem Fliegerclub zur Nutzung übertragen. Jetzt begann für alle Clubmitglieder eine gewaltige Umstellung. Der Flugsport war wieder frei und organisatorisch selbstständig, aber er musste sich finanziell selbst erhalten.

FCR heute

Heute zählt der Fliegerclub über 100 Mitglieder der Sportarten Segelflug, Motorsegelflug, Motorflug und Modellsport. Er verfügt über ein modernes Motorflugzeug vom Typ DR-400/180R Remorqueur, zwei Motorsegler (B und C Falke) und verschiedene Segelflugzeuge. Angehende Piloten werden von erfahrenen Fluglehrern ehrenamtlich ausgebildet. Dafür stehen den Flugschülern vier doppelsitzige Schulflugzeuge der Typen Bocian und Puchacz zur Verfügung. Einsitzige Übungsflugzeuge vom Typ "Pirat" vervollkommnen die Ausbildung. Seit 2009 wird die Ausbildung auch mit den modernen Kunststoffeinsitzer Typ "Astir" durchgeführt.
Für den Streckensegelflug steht noch eine Foka-5, einen weiterer Astir und eine DG l00 bereit.
Zudem besitzen wir eine nagelneue Schleppwinde von "Tost", die mittels hochmodernen Schleppseilen aus Kunststoff die Segelflugzeuge in den Himmel zieht.

Astir   Puchacz

Eine der großen Aufgaben der Zukunft besteht in der schrittweisen Modernisierung des Flugzeugparks. Der Stand an jungen Mitgliedern ist erfreulich hoch und wir bemühen uns, ihn zu halten. Daher führen wir Projektwochen durch, in denen Schulklassen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern eine Woche lang auf dem Flugplatz wohnen, dort Flugtechnik und -Physik lernen und selbst im Motor- und Segelflugzeugen mitfliegen können.

Neben sportlichen Erfolgen und Fortschritten in der Ausbildung begeistert uns jeder Flug, der den Blick aus der Höhe auf die Schönheit unserer Landschaft und die nahe gelegenen Ostsee ermöglicht.

Dieses Vergnügen bieten auch jedem an, der sich zu einem Schnupperflug in einen unserer Flugzeuge entschließt.
Ob als Fluggast oder als Beobachter, auf dem Flugplatz des Fliegerclubs Rostock e.V. sind Sie immer willkommen! Wünschen wir unserem Club nach über 50 Jahren seines Bestehens eine weiterhin glückliche Hand bei der Ausbildung der jungen Pilotinnen und Piloten, den Mitgliedern viel Spaß auf dem Flugplatz und sportliche Erfolge.

Unseren Fluggästen wünschen wir Freude am Erlebnis Fliegen und allen eine allzeit glückliche Landung!